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Scheuklappendenken – von Florinda Ke Sophie

17/02/2013

Sie kennen doch diese Dinge aus Leder, die man Pferden aufschnallt, damit sie nicht scheuen, wenn eine schwere Kawasaki oder der ICE an ihnen vorbeidonnert. Aber haben Sie schon mal in Betracht gezogen, dass man das nicht nur mit Pferden macht, sondern auch mit Menschen? Ein kurioser Gedankengang, finden Sie? Sie haben Recht. Aber trotzdem stimmt es. Nur dass die Scheuklappen für Pferde grobstofflich sind, die für Menschen jedoch feinstofflich. Doch beide dienen dem gleichen Zweck: sie sollen verhindern, dass wir uns erschrecken und von einem bestimmten Kurs abweichen. Nicht etwa von einem Lebenskurs, der uns nach Anlage und Bestimmung entspricht, sondern von einem Kurs, den unsere Erzieher für richtig halten.

Man nennt das Fremdbestimmung und es verstößt gegen die Grundrechte. Aber eine psychische Manipulation ist schwer nachzuweisen, falls nicht gerade ein Chip ins Gehirn implantiert wurde, der auf dem Röntgenschirm zu sehen ist und den ein Neurochirurg entfernen kann. Die Betroffenen sind also im Beweisnotstand. Und derer sind viele. Man nennt sie normal und weiß sie zu schätzen, weil sie leicht zu handhaben sind. Das mit feinstofflichen Scheuklappen ausgestattete Individuum glaubt zwar, mündig zu sein, ist es aber nicht. Es vertraut korrupten Politikern, wählt einen Partner, der gar nicht zu ihm passt, und lässt sich nach Strich und Faden ausnützen, ohne das auch nur zu merken, geschweige denn zu verhindern.
Skotom & Mantra
Die Scheuklappen werden in der Fachsprache Skotome genannt. Sie werden im Trauma der Erziehung und später im Bildungsgang implantiert und bleiben ein Leben lang wirksam. Die Vorbereitung zur Installierung beginnt schon intrauterin und die Entstehungsgeschichte würde ein dickes Buch füllen. Einmal sollen die Scheuklappen verhindern, dass das Kind zu viel wahrnimmt und von daher die Achtung vor seinen Eltern verliert. Deshalb werden Tabus aufgebaut, die zuweilen wie Dämme brechen und zu Mord und Totschlag führen. Halten die Scheuklappen, so entsteht der brave Staatsbürger, dessen psychische Behinderung die Meinungsbildner, gewissenlose Geschäftemacher und Politiker ausnützen.

Wie seinerzeit in der Familie, so denkt der aufrechte Steuerzahler: die werden schon wissen, was für mich richtig ist. Der ganz und gar skandalöse Gedanke, dass die es nicht wissen könnten, steigt mit dem Tabu in den Ring und verliert nach Punkten. Das heißt, er wird verdrängt. Höchstens hegt man diffuse Zweifel, die rasch im Sand verlaufen, wenn man sich den Liebesentzug und die hinter verschlossenen Türen bezogenen Prüügel in Erinnerung ruft. Dergleichen motiviert nicht, sondern aktiviert das Mantra der Resignation. Das om mani padme hum des angeblich Gleichberechtigten, das da lautet: da kann man nichts machen, das war schon immer so.

Brav wählt man immer wieder Volksvertreter, deren Physiognomien allein schon Bände sprechen und die arbeitslos wären, gäbe es nicht die durch Erziehungsbeihilfe staatlich geförderte Scheuklappenproduktion in der Familie. Das alles ist schon schlimm genug, weil wir den Skotomen unter anderem das Senfgas und Zyklon B, Atomsprengkörper mit einem Detonationswert von 50 Mt TNT und Tschernobyl verdanken, nicht zu vergessen das Contergan und die Zerstörung der Atmosphäre. Denn das durch Scheuklappen verengte Gesichtsfeld lässt nur radikale Problemlösungen zu, die in den Nachrichten Erwähnung finden und sattsam bekannt sind.

Man durchschaut das aber nicht, weil die blinden Flecke in der Wahrnehmung das verhindern. Man ist volljährig und im Vollbesitz seiner Bürgerrechte, denkt und handelt aber wie das Rotkäppchen im Märchen, das den Wolf für die Großmutter hielt, nur weil der sich mit ihrer Schlafhaube tarnte.

BEWUSSTSEINSERWEITERUNG
Also wäre es dringend angezeigt, den Zustand zu verändern. Freilich sind anspruchsvolle Angebote rar, welche das Ziel verfolgen, die Persönlichkeit zu läutern und die blinden Flecke in der Wahrnehmung abzubauen. Das kann auch nur funktionieren, wenn man erkannt hat, dass man selbst blinde Flecke in der Wahrnehmung hat. Kräftig werden oder eine Kunst erlernen kann nur der, welcher erkennt, dass er schwach und unwissend ist. Mangelt die Erkenntnis, dann fehlt zugleich auch das Motiv, zu lernen und an sich zu arbeiten – und was immer man tut, verbleibt im Seichten. Wer von sich behauptet, er sei fertig, der hat noch gar nicht angefangen. Und wer andere lehrt, ohne selber unter kompetenter Anleitung gelernt zu haben, der muss auf Abnehmer hoffen, die dümmer sind als er selber. Das alles ist nicht neu, sondern steht schon in den alten Schriften. In der Bhagavadgîta heißt es:

Ein Tor ist, wer nicht bei sich selbst
mit seiner Arbeit anfängt.

Skotome kann man beseitigen, das Bewusstsein kann man trainieren und erweitern, die Erzieherischen Prägungen können abgebaut werden. Aber das geht nicht ohne Einsatzbereitschaft und steter Mühe.

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